Mietermagazine 1930-39

Donnerstag, 5. März 2026 I 18:30 Uhr
Vernissage und Vortrag.

Die Mietermagazine von EINFA und GEHAG 1930–1939 –
Von Gestaltungsvorschlägen zur NS-Propaganda
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Ab Ende 1924 errichtete die Wohnungsbaugesellschaft GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten, Spar- und Bau Aktien-Gesellschaft) in Berlin mehrere wegweisende Quartiere des Neuen Bauens, die heute zum Teil UNESCO-Welterbestatus haben. Zu ihnen zählen etwa Hufeisensiedlung in Britz oder die Wohnstadt Carl Legien im Prenzlauer Berg sowie der aktuelle Erweiterungsvorschlag zum Welterbe, die Waldsiedlung Zehlendorf.

Die überaus produktive und klug konstruierte GEHAG wurde 1924 von Werkbund-Mitglied Martin Wagner und dem Gewerkschaftsführer August Ellinger gegründet. Sie stand der SPD und der Gewerkschaftsbewegung nahe. Als Chefarchitekten wurde Bruno Taut berufen, der ebenfalls zu den zentralen Figuren des Werkbunds zählte. Bei dem Bau der Siedlungen verfolgte man eine soziale Agenda, griff Ideale der Gartenstadtbewegung auf und überführte diese in einen urbanen Städtebau, der sich zeit- und kostensparend in serieller Taktbauweise realisieren lies. Zu den Aktionären der GEHAG zählten neben zahlreichen Gewerkschaften und Genossenschaften auch die Allgemeine Ortskrankenkassen von Berlin und Rixdorf. Die Bauausführung übernahm die angegliederte Berliner Bauhütte.

Die Entwicklung der GEHAG zur Zeit des „Dritten Reichs“ ist ein mahnendes Beispiel der erschreckend effektiven Gleichschaltungspolitik der Nazis. Nur wenige Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde das Management der überaus erfolgreichen Wohnungsbaugesellschaft ausgetauscht. Dadurch änderten sich Architektur und Agenda, was sich direkt an den hauseigenen Publikationen ablesen lässt.

Die parallel gegründete EINFA (Berliner Gesellschaft zur Förderung des Einfamilienhaus gGmbH) war für die Verwaltung der Wohnbauten der GEHAG zuständig. Sie gab von 1930 bis 1939 monatlich Mietermagazine heraus. Diese spiegeln exemplarisch die Umbrüche in der NS-Zeit: Bis Mitte 1933 dreht es sich in den Magazinen um Haus und Garten, modern-zweckgemäße Einrichtung und gesundes Wohnen. Nach der Gleichschaltung der GEHAG änderte sich umgehend das Layout, ziemlich bald aber auch die Inhalte, so dass immer mehr NS-Propaganda Raum fand.  Zu Ausstellungseröffnung schildert Werkbund-Mitglied Ben Buschfeld die Ereignisse und verdeutlicht in seinem Vortrag anhand ausgewählter Auszüge der Mietermagazine, wie erschreckend schnell, effektiv und offen die Gleichschaltungspolitik praktiziert wurde.